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28.09.2008
 

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PROMINENTE

Pamelas Prinz

Von Alexander Osang

5. Teil: "Das Mädel isch der Wahnsinn", sagt der Prinz

"Na ja, im übertragenen Sinne. Die steht auch für irgendwas, ohne dass man genau weiß, wofür. Marcus könnte natürlich keine Werbung für Kindernahrung machen, aber für andere Sachen. Autos und so weiter."

Als der Prinz die Flügeltür seines Rennwagens aufklappen lässt, zuckt Pamela Anderson zusammen, als hätte man auf sie geschossen. Die beiden drehen eine kurze Runde durch Monte Carlo, und obwohl man keine Wolken sieht, fängt es plötzlich an zu regnen. Sie flieht mit zerzausten Haaren vor den Kameras mit den aufgesetzten Ringblitzen in den bereitstehenden Rolls-Royce, der sie zur nächsten Station des Rennens bringen soll, an den Gardasee.

"Wie lange fahren wir?", fragt sie einen ihrer Manager.

"Vier Stunden", sagt er.

"Vier Stunden? Wo bringt ihr mich hin?", flüstert sie, als würde sie entführt.

Im Film "Borat" erscheint Pamela Anderson einem kasachischen Reporter in ihrem roten "Baywatch"-Badeanzug wie die Göttin der westlichen Welt. Wie die Erlösung. Borat, der Reporter, folgt ihr quer durch Amerika und versucht sie am Ende in einen Sack zu stecken und zu entführen. Prinz Marcus scheint gerade denselben Fehler zu begehen. Nur ist er kein Kasache, er ist ein Rotlichtkönig aus Pforzheim, er nimmt den Rolls.

Am Abend sagt Pamela Anderson ein paar Sätze auf einem kurzen roten Teppich. Europa sei sehr interessant für sie. Sie bekomme hier jede Menge Unterstützung für Peta. Ihre Fernsehserie laufe jetzt an. Und der Prinz? Oh, der Prinz ist sehr nett. Ein guter Fahrer. Sie haben sich noch nie in L. A. getroffen, vielleicht jetzt mal. Vielleicht. Nein, nein, sie sei gern hier. 50 000 Dollar für eine Runde in einem schicken Auto, das sei doch kein schlechter Deal, was?

"Wer war denn das eben?", fragt ein italienischer Reporter

Als eine Reporterin im Gedränge stolpert, springt Pamela Anderson zurück und bricht die Interviews ab. Es gibt noch ein Gruppenfoto mit Marcus, Fips, Robert Geiss und deren Frauen, dann verschwindet Pamela Anderson im VIP-Bereich des Strandclubs.

Prinz Marcus erklärt vor den zurückgebliebenen Kameras, dass Pamela Anderson ganz bestimmt keine Affäre mit Michael Jackson habe.

"Wer war denn das eben?", fragt ein italienischer Reporter.

Es gibt ein vegetarisches Buffet, zum ersten und einzigen Mal auf der Reise, und der Prinz erzählt dem Peta-Chef Dan Mathews, dass er dessen Buch gelesen habe, was ziemlich unwahrscheinlich ist, dem Peta-Chef aber sehr gefällt. Mathews erzählt, wie Pamela Anderson zur Tierschützerin wurde, nachdem sie als Kind beobachten musste, wie ihr Vater ein Reh schlachtete. Prinz Marcus erzählt nicht, dass er in Kitzbühel gern im dicken Nerz auftrat. Damit ist jetzt auch Schluss, in seinem neuen Leben als Wohltäter.

Um Mitternacht hat ein Fahrer Geburtstag, der DJ singt "Happy Birthday", und auch Pamela gratuliert, man erwartet, dass sie jetzt geht, aber sie bleibt. Sie trinkt Champagner, unterhält sich angeregt mit dem Prinzen, lacht, und einmal berührt sie ihn am Rücken, es sieht beinahe zärtlich aus.

Als der Prinz aufs Klo muss, tanzt er fast, so glücklich ist er

In diesem Moment kann man sich vorstellen, dass es doch etwas wird mit den beiden. Eine "Pretty Woman"-Geschichte, mit umgekehrten Vorzeichen, die Nixe und der Zuhälter. Die Hochzeitsfeier würde auf irgendeiner Insel mit unfassbar vielen Quadratmetern stattfinden, eine Party mit weißen Pferden und Bentley, bewacht von der Schweizer Garde unter der Leitung von Sandy Oschinger. Das Kleid wäre von Versace, das Lied von Elton John und die Torte aus Tofu. Eine Traumhochzeit von zwei gelangweilten Menschen, die gegen ihr Wesen anrennen und gegen die Zeit. Die die Öffentlichkeit scheuen und suchen, alles gleichzeitig. Man könnte eine ewige Doku-Soap drehen, mit Hostessen und Schönheitsoperationen und heimlichem Fleischessen und Gerüchten und Pelzvideos, die im Internet kursieren. Ein ewiger Tanz ums Nichts. Wenn man Pamela Anderson eine Affäre mit Michael Jackson zutraut, warum dann keine mit Prinz Marcus aus Pforzheim. Den beiden kann eigentlich gar nichts mehr schaden.

Als der Prinz aufs Klo muss, tanzt er fast, so glücklich ist er.

"Das Mädel isch der Wahnsinn", sagt er.

Um drei geht Pamela Anderson ins Bett, allein. Der Prinz macht noch ein bisschen weiter, im Morgengrauen steuert er seinen 670 PS starken Wagen im Glücksrausch um den Hotelpool, der vor dem schwarzen Gardasee leuchtet, erzählt jemand. Wenig später checkt Pamela Anderson aus. Es ist 8.20 Uhr, und "so sah sie auch aus", sagt Sandy Oschinger, der ehemalige Feldjäger, der sie zum Flughafen nach Verona bringt, wo der Privatjet wartet.

Als Prinz Marcus sich Stunden später aus dem Bett schält, sitzt Pamela Anderson im Flugzeug nach Los Angeles. Er schaut in den Spiegel. Sie hat ihn an die Wand geworfen, aber es ist nichts passiert. Er ist immer noch ein Frosch. Er bürzelt sich die Haare an den Seiten nach oben, bis seine Frisur wirkt wie eine Krone. Am Pool sieht man noch die Reifenspuren der Hoffnung.



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